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Die Musealisierung der Dinge: Archive und Geschichten

(Dieser Kurs findet in Kooperation mit der Künstlerin Si-Ying Fung und dem MARKK statt.)

Ausgehend von der Ausstellung »Ausgezeichnet - Zeichnerinnen des Inventars«, welche zur Zeit im Hamburger Museum am Rothenbaum (MARKK) gezeigt wird, beschäftigen wir uns in diesem Zeichenkurs mit unterschiedlichen Aspekten der ethnografischen Zeichnung. Die Ausstellung widmet sich inhaltlich den Biografien und der Arbeit von Frauen, die Anfang des 20. Jahrhunderts im ehemaligen Völkerkundemuseum Hamburg als technische Hilfskräfte angestellt waren, um die Objekte des Museums auf Inventarkarten zeichnerisch zu erfassen. Der gezeichnete Inventarkartenkatalog existiert bis heute und umfasst mehr als 100.000 Objektzeichnungen und -beschreibungen, die sowohl von großer zeichnerischer Darstellungskraft als auch von einem ausgeprägtem technischen und wissenschaftlichen Verständnis zeugen. Zusätzlich erzählen die Biografien der Frauen von Bildungs- und Arbeitschancen für Frauen in der Kunst, aber auch von der Entwicklung von Wissenschaften wie Ethnografie oder Völkerkunde und ihrer Museen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Neben den historischen Begebenheiten und gesellschaftlichen Umständen jener Zeit bieten die Zeichnungen der Inventarkarten aber auch einen Anlass für die intensive Beschäftigung mit der eigenen künstlerischen Praxis und dem Prozess des Zeichnens. Im Laufe des Semesters soll ein eigenes Projekt im Bereich der freien Zeichnung und/oder der graphischen Erzählung zu diesem Themenkomplex entwickelt werden. Mögliche Themen wären zum Beispiel:

- Spurensuche

-Forschen / Rätsel / Geheimnisse

- Sammeln / Sammlungen / Systeme: Inventarkarten als System der Zeichen, der Oberflächen, der Formen -> Das Anlegen eines eigenes Kataloges, einer Systematik

- Meine Arbeit im gesellschaftlichen Kontext

- Zeichnen als Arbeit

- Geschichte von Dingen und Personen

- Gleichberechtigung (in der Kunst)

- Entstehungsgeschichte der Museen / Museum als Arbeitsort

- Kolonialgeschichte

Das Ziel dieses und des Folgekurses im SoSe2020 (angeleitet durch Prof. Anke Feuchtenberger) ist es, eine Publikation ergänzend zu dem bereits bestehenden Ausstellungskatalog zu gestalten und zu veröffentlichen. Durch Ihre Arbeiten wird ein aktueller Bezug zur Ausstellung hergestellt und um die Perspektive von zeitgenössischen Zeichner*innen in der Ausbildung bereichert, nicht wenige der Themen spielen auch heute noch eine Rolle. Mit der Geschichte der Armgartstraße (als Standort der HAW) besteht zudem ein historischer Bezug, da sie einst als »Gewerbeschule für Mädchen St. Georg« gegründet wurde und auch einige der Zeichnerinnen des Museums für Völkerkunde dort ausgebildet wurden. Eine Ausstellung im Zwischenraum des MARKK mit den Arbeiten der Kurse ist zur Veröffentlichung der Publikation im Sommer/Herbst 2020 angestrebt.

Anmerkung

Der Kurs wird an einigen Terminen im MARKK stattfinden. Die Teilnehmer des Kurses erhalten freien Eintritt in das Museum für die Dauer des Projektes.