HAW HAMBURG Department Design
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Manifeste und Designtheorie

Das Manifest zählt zu den zentralen Textgattungen unserer Gesellschaft und Wissenskultur der letzten 150 Jahre. Durch Manifeste artikulieren sich politische Parteien, außerparlamentarische Bewegungen, künstlerische Positionen und Gruppen, kritisch-emanzipatorische Engagements, ökologische Initiativen, subversive Impulse, wissenschaftliche Innovationen, aber auch neue/alte Ideologien, neoliberale Versprechungen, Optimierungs- und Kontrollszenarien und nicht zuletzt auch terroristische Organisationen…

So verhält es sich auch mit Designpositionen und ihren entsprechenden theoretischen Vorannahmen und Theoriebildungen, die sich fast immer in Form eines Manifestes oder einer „manifestartigen“ Form der Selbstdarstellung und Explikation darlegen. Um genau diese Schnittstelle zwischen Manifest, Design, Designtheorie und der Kulturgeschichte der Moderne/Postmoderne geht es in unserem Seminar.

Sie zeigt sich in aktuellen Designdiskursen, wie wir es in einer ersten Phase in Form einer Ansicht von Projekten und Texten von Metahaven, Studio Moniker, Experimental Jetset und Dunne & Ruby  gemeinsam aufarbeiten wollen.

Im Anschluss daran werden wir uns grundsätzlich mit dem Begriff des Manifestes im Kontext der Designtheorie beschäftigen, um diese Konstellation historisch zurückzuverfolgen. Greifbar wird darin auch ein Abriss der Designtheorie über Einsätze im Bauhaus (W. Gropius), der Nachkriegsmoderne (O. Aicher, L. Burckhardt, K. Krippendorff) hin zu Positionen des partizipatorischen Sozio-Designs der 70er Jahre (B. Brock), zur Erweiterung und Konzeption des Designs in inter- und transdisziplinärer Hinsicht (G. Bonsiepe, H. Rittel) und zur Postmoderne der 80er und 90er Jahre des 20. Jahrhunderts (B. Radice, „Memphis“).

In einer dritten Phase des Seminars werden wir uns auf der Basis der skizzierten historischen Kontextualisierung im Rahmen der erwähnten Designtheorien erneut um eine Aufarbeitung von designtheoretischen Positionen der Gegenwart bemühen. Nun wird allerdings der Fokus des Designbegriffs maximal geweitet. Globale Herausforderungen, weltumfassende Krisensituationen und die Dimension ihrer immanenten Dringlichkeit rufen erneut das Manifest auf den Plan, um darzulegen, was Design und Designtheorie sei und was im Aktionsfeld einer globalen und nachhaltigen Lebenswelt-Gestaltung zu wissen und zu tun sei. In diesem Kontext diskutieren wir Texte von Friedrich von Borries, Harald Welzer und Bruno Latour.

Das Seminar findet in enger Abstimmung mit dem Kurs "Type out loud. Kinetische Manifeste" von Prof. Heike Grebin statt. Eine wechselseitige Teilnahme ist daher empfohlen.